Als Selbständigerwerbender bin ich auch in den Ferien auf ein Mindestmass an elektronischer Kommunikation angewiesen. Daher beschloss ich, mir ein UMTS-fähiges Modem zu besorgen. “Die kleine, leichte und simple Lösung: Einfach einstecken und lossurfen” versprach die Werbung. Ich hätte es besser wissen müssen.
1. Akt: Besuch im lokalen Swisscom-Shop (Stammleser wissen, dass ich eine gewisse Affinität zu dieser Firma habe) an einem Samstagnachmittag. Der Laden ist voll. Ich ziehe meine Nummer. 282. Die Anzeige zeigt 272. Hmm … Mal abwarten. Nach 10 Minuten zeigt die Anzeige immer noch 272. Ich hoffe für die Swisscom, dass diese Kunden alle ein elend teures Gerät (ein iPhone vielleicht…?) mit einem Fünfjahresvertrag kaufen. Und ziehe ab …
2. Akt: Mail an den Swisscom-Kollegen. Welches Produkt ist für mich das Richtige? Antwort: Natel Data Day und die World Data Option. Und dann gleich noch die World Flex Option für den BlackBerry lösen, gell? Okay, kein Problem.
3. Akt: Erneuter Besuch im Swisscom-Shop. Am Samstagmorgen, kurz nach der Öffnung. Ich bin ja nicht blöd. Und die rund sieben Kunden, welche bereits vor mir da sind, noch weniger. Aber so habe ich Zeit, nochmals im Geiste meine Einkaufsliste durchzugehen. Ich brauche also DayFlex für den BlackBerry, die Natel Data World, und noch was Drittes. Oder war es BlackBerry Data Flex und World Day? Himmelherrgott, wo habe ich meine Liste?
Meine Nummer wird aufgerufen und der Swisscom-Mitarbeiter weiss sofort, was ich brauche. Das USB-Modem Mobile Unlimited E180v mit Natel Data Day und der World Data Option. Die Daten sind im Nu im System erfasst. Leider gibt es einen kleinen Haken. Für Geschäftskunden (ja, liebes Steueramt, diesen kleinen Luxus werde ich über’s Geschäft abrechnen!) muss der Vertrag manuell geprüft und freigeschaltet werden. Man kennt es ja von den Jungunternehmern: Viel zu teure Modems kaufen, und dann die Leasingraten nicht bezahlen können! Ob ich vielleicht in einer halben Stunde nochmals vorbeischauen kann? Kann ich.
4. Akt: Ich schaue vorbei. Der Vertrag ist nicht freigeschaltet.
5. Akt: Ich schaue nochmals vorbei. Jetzt hat sich die Swisscom doch noch dazu durchringen können, diesen Hochrisikovertrag mit mir abzuschliessen. Ich kriege mein Modem samt Garantieschein. Und ich ziehe los. Als unabhängiger Mensch, der nun überall auf der Welt Zugriff auf seine Daten und Mails hat. Unbekannte Kontinente, unerforschte Länder, ich komme!
6. Akt: Bevor es losgeht mit den unerforschten Welten, möchte ich mein neues Spielzeug doch erst mal testen. Zu Hause, wo ich, wenn man es ganz genau nimmt, auf Grund meines WLAN ein UMTS-Modem etwa so dringend brauche wie der berühmte Eskimo einen Kühlschrank. Egal. Die Software ist im Nu installiert und gestartet. “Verbinden mit UMTS” … “Verbindung getrennt” … “Verbinden mit UMTS” … “Verbindung getrennt” … teilt mir die Software im Abstand von ca. 5 Sekunden mit. Okay, vielleicht ist der Empfang hier schlecht. Also näher ans Fenster. Aber selbst als ich den Notebook der UMTS-Antenne entgegenhalte wie ein Hohepriester seine Opfergabe, entsteht keine stabile Verbindung.
7. Akt: Als “Digitaler Immigrant” (vgl. Wikipedia) misstraue ich meinen technologischen Fähigkeiten grundsätzlich. In immer weiteren Kreisen gelte ich inzwischen als “technologically challenged”. Ich finde, dafür sollte es einen Ausweis geben und spezielle Schalter und Hotlines in Technologie-Firmen - analog zum Behindertenparkplatz. Anyway. Bei einem Kunden darf ich den Informatik-Lehrling für das Problem einspannen. Doch auch er kommt nicht weiter. Zum Glück, irgendwie. Denn mein persönliches Horrorszenario war, dass er nach 5 Minuten zurückkommt und sagt: “Bei mir läuft’s. Kannst du mir mal zeigen, wie du das Programm startest …?”.
8. Akt: Anruf bei der Swisscom Hotline. Ich schildere mein Problem. Die erste Frage: “Arbeiten Sie mit Vista Service Pack 2?” (Hinweis: Service Pack spricht sich englisch aus - Sörwis Päck - und ist ein grösseres Software-Update, und nicht die Bezeichnung für unfreundliche Hotline-Mitarbeiter!). Ja, tue ich. “Dann können Sie nur eine alte Version der Kommunikations-Software installieren. Ich sende Ihnen einen Link.”
9. Akt: Gesagt, getan. Software herunterladen, installieren und “Verbunden mit UMTS”! Fanfarenstösse, Freudentränen … “Ich danke meinen Eltern, ohne deren Unterstützung ich heute nicht hier stehen würde … und ich danke meinem Team …” Eigentlich könnte ich mich nun zur Ruhe setzen und meine Memoiren schreiben. “Memories of a Technologically Challenged” (Vertragsentwürfe und Vorschüsse willkommen). Ich werde in der nächsten digitalen Fastenzeit mal darüber nachdenken.
PS. Sollte mein herausragender technischer Erfolg nur kurzzeitig sein, so hat dieser Blog nun Sendepause bis Anfang August. Falls die Technik mitspielt, werde ich mich in den nächsten Wochen eventuell zu weiteren Blogs hinreissen lassen. So oder so: Schönen Sommer euch allen!

August 20th, 2009 at 22:01
[...] war die Sache mit dem UMTS Modem in Spanien: Zuerst kommt es gar nicht zum Einsatz (ich sage nur: “offenes WLAN”), [...]